Mittwoch, 9. September 2009

Conil de la Frontera, Ronda und Ardales


Die nächste Station war Conil de la Frontera. Auch hier haben wir eine Couchsurferin kontaktiert, die uns zwar leider nicht selbst beherbergen konnte, uns aber ein gratis Zimmer in einem Hostal verschafft hat. Wir haben uns mit ihr am Strand verabredet und es war ein sehr angenehmes Treffen. Sie lernt gerade Deutsch, was natürlich ideal war, weil wir uns in einem deutsch-spanischen Mix unterhalten konnten. Leider hatte sie nicht so viel Zeit, weil sie arbeiten musste, aber wir hoffen, dass sie uns im Herbst in Graz besucht. Sie hat uns mit der Unterkunft und ihren Tipps auf jeden Fall sehr geholfen. Auf ihren Rat hin sind wir abends mit dem Auto an einen Strand außerhalb des Ortes gefahren, um den Sonnenuntergang zu genießen. Traumhaft! Danach waren wir noch im Ort unterwegs - Conil war eine einzige große Party, weil die Spanier den Feiertag der Jungfrau Maria nicht nur still in einer Kirche, sondern schon Tage vorher mit Rummelplatz, Discos,viiiiiel Essen und auch ordentlich viel Alkohol zelebrieren. Alle ziehen an, was sie für feierlich befinden - ob Flamenco-Kleid oder Minirock, Anzug oder Adidas-Outfit. Für die Mädels gilt auf jeden Fall: Highheels mit Bleistiftabsatz, grelles Makeup, cooler Blick, schräge Frisuren und am besten noch irgendetwas Glitzerndes oder Schimmerndes - auffallen ist alles und so werden die Gässchen zum persönlichen Laufsteg. Sehr süß sind die Kinder - die Burschen stecken in Anzügen oder Mini-Torero-Outfits und die Mädchen staksen aufgeputzt wie Prinzessinnen ganz stolz in langen Flamenco-Kleidern herum. Ein paar mussten gleich lernen, dass Schönheit auch Leiden bringen kann und so kommt es dann vor, dass man sechsjähige Mädchen mit schmerzverzerrtem Gesicht halb aus ihren Absatzschuhen geschlüpft nach Hause hinken sieht. War jedenfalls sehr bunt und lustig anzusehen, uns dann aber doch zu turbulent und nach einem Rundgang sind wir ins Bett gegangen.

Die Bildqualtät ist leider ziemlich schlecht, aber das Kleid sieht man hoffentlich trotzdem so halbwegs.


Nach zwei Nächten in Conil sind wir Richtung Ronda aufgebrochen . Sobald man die Autobahn verlässt, ist die Strecke wirklich sehr schön und auf jeden Fall eine Fahrt wert. Ronda selbst thront in ebenso schöner Umgebung auf einem Felsplateau. Wer Höhenangst hat, ist in diesem Ort ziemlich arm dran - die Häuser stehen teilweise direkt am Abgrund und vom neuen zum alten Stadtteil führt eine Brücke über eine tiefe Schlucht. Beim Anblick der Balkone und Terrassen, die direkt über dem Abgrund hängen, ist uns beiden etwas mulmig geworden. Dafür ist der Ausblick echt atemberaubend und wir können gut verstehen, warum Dichter wie Rilke von Ronda geschwärmt haben.
Auch in Ronda wurde natürlich gefeiert und die Straßen des neueren Stadtteils waren noch mit Relikten der vorherigen Nacht gepflastert - Zigaretten, Alkoholflaschen, Papier... Das hat dem Städtchen zwar etwas von seiner Romantik genommen, andererseits aber gezeigt, dass der Ort auch abseits des Tourismus lebendig ist.



Abends sind wir weiter nach Ardales gefahren. Angesichts der Straßen, die voller Schlaglöcher oder zwischendrin plötzlich nicht mehr existent waren, haben wir schon an Georgs Navi gezweifelt, aber nach unzähligen Serpentinen die Berge rauf und runter sind dann doch endlich Lichter aufgetaucht. Eigentlich haben wir uns Ardales eher klein und verschlafen vorgestellt, aber auch hier hat Partystimmung geherrscht. Zum Glück haben wir uns noch Ohrenstöpsel gekauft, die wir auch tatsächlich benutzen mussten, um zumindest ein bisschen Schlaf zu bekommen. Ardales ist ein pueblo blanco, also ein weißes Dorf, das idyllisch aber auch ziemlich einsam auf einem Hang irgendwo im Nirgendwo liegt. Uns hat es vor allem deshalb interessiert, weil gleich in der Nähe mehrere Stauseen sind. Nach einer lärmbedingt eher schlaflosen Nacht haben wir uns einen schönen Platz an einem der Seen gesucht, unser Strandzelt aufgebaut und die Seele baumeln lassen. Ganz entspannen konnten wir uns zwar nicht, weil der Sturm wie wild an unserem Zelt gerüttelt und uns mit Staub paniert hat, aber es war trotzdem wunderschön - eine kleine Bucht, türkises Wasser, schöne Umgebung und kein Mensch weit und breit. Was will man mehr?



Unser Zelt hat ziemlich mit dem Sturm gekämpft - wir hatten im Inneren schon mehr Steine als sonst was liegen, aus Angst, dass es uns davonfliegt.

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